Neue(s) LebensZeichen

Pfingstgedanken im Pfarrgarten

Am Pfingstsonntag, den 31. Mai 2020, um 11 Uhr lädt die Evangelische Kirchengemeinde Ense in den Pfarrgarten hinter dem Pfarrhaus, Werler Str. 44, ein.

Statt der „Sonntagsgedanken zum Mitnehmen“ beim Supermarkt oder auf der Homepage aus den zurückliegenden Wochen gibt es nun Pfingstgedanken mit Musik von der Band Gegenwind im Freien.

 

 

Gruß zu Pfingsten

DER HEILIGE GEIST

IST EIN BUNTER VOGEL

 

der heilige geist

er ist nicht schwarz

er ist nicht blau

er ist nicht rot

er ist nicht gelb

er ist nicht weiß

 

der heilige geist ist ein bunter vogel

 

er ist da

wo einer den andern trägt …

der heilige geist ist da

wo die welt bunt ist

wo das denken bunt ist

wo das denken und reden und leben

gut ist

der heilige geist lässt sich nicht

einsperren

in katholische käfige

nicht in evangelische käfige

der heilige geist ist auch

kein papagei

der nachplappert

was ihm vorgekaut wird

auch keine dogmatische walze

die alles platt walzt

der heilige geist

ist spontan

er ist bunt

sehr bunt

und er duldet keine uniformen

er liebt die phantasie

er liebt das unberechenbare

er ist selbst unberechenbar

 

 

aus: Wilhelm Willms,

roter faden glück.

lichtblicke

Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 5/1988

 

Sonntagsgedanken zwischen Himmelfahrt und Sonntag Exaudi 2020

Heute grüße ich Sie und Euch mit dem Spruch, der über dem Himmelfahrtstag und dem kommenden Sonntag Exaudi steht:

 

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde,

                         so will ich alle zu mir ziehen.      Johannes 12,32

 

Im Gesangbuch steht das Lied: „Wie lieblich ist der Maien“ unter der Nummer 501.

Psalm 104, einige Verse…

Lobe den Herrn, meine Seele!

Herr, mein Gott, du bist sehr groß.

Du lässest Brunnen quellen in den Tälern,

dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,

dass alle Tiere des Feldes trinken

und die Wildesel ihren Durst löschen.

Darüber sitzen die Vögel des Himmels

und singen in den Zweigen.

Du tränkst die Berge von oben her,

du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.

Du lässest Gras wachsen für das Vieh

und Saat zu Nutz den Menschen,

dass du Brot aus der Erde hervorbringst,

dass der Wein erfreue des Menschen Herz

und sein Antlitz glänze vom Öl

und das Brot des Menschen Herz stärke.

Es wartet alles auf dich,

dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.

Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;

wenn du deine Hand auftust,

so werden sie mit Gutem gesättigt.

Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;

nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie

und werden wieder Staub.

Du sendest aus deinen Odem,

so werden sie geschaffen,

und du machst neu das Antlitz der Erde.

Ich will dem Herrn singen mein Leben lang

und meinen Gott loben, solange ich bin.                                                 

Amen.

 

 

Liebe Gemeinde,

es ist Himmelfahrtstag. Ich sitze im Garten. Um mich herum zwitschern die Vögel in den Bäumen. Vor mir auf dem Tisch steht eine Vase mit Pfingstrosen. Ich sehe mich weiter um. Die Sonne strahlt das vielfältige Grün auf dem Rasen, in Hecken und Baumkronen an. In der einen Ecke des Gartens steht eine große, rosablühende Weigelie. Darüber ist der Himmel kräftig hellblau.

Was für ein Glück, all diese Schönheit vor Augen zu haben! Margeriten haben sich über den Rasen ausgebreitet und die Rosen lassen schon ihre Farbe durch fast aufplatzende Knospen ahnen. Das vielstimmige Vogelkonzert will nicht verstummen. Eine Taube gurrt im Hintergrund.

Wir sind unterwegs von Ostern zum Pfingstfest. Es ist Mai. Zu diesem Monat gehört eins meiner Lieblingslieder. Neulich, Anfang Mai, wurde es schon im Fernsehgottesdienst gesungen: Wie lieblich ist der Maien (eg 501).

 

Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,

des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.

Die Tier sieht man jetzt springen vor Lust auf grüner Weid,

die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

 

 Die Akelei zeigt sich in rosa und violett. Der Rhabarber bekommt langsam längere Stängel und größere Blätter. An der Johannisbeere sind kommende Früchte zu ahnen. Dahlien treiben Blätter und auch der Rittersporn vom letzten Jahr meldet sich zurück.

 

Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein! Die Blüt zur Frucht

vermehre, lass sie ersprießlich sein. Es steht in deinen Händen, dein Macht und

Güt ist groß; drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß´.

 

Der Liederdichter Martin Behm hat sich 1606, als die Verse entstanden, dankbar mitten in Gottes Schöpfung erlebt. Er wusste auch, was das Leben, das Blühen und Reifen gefährden konnte und er bittet Gott um Bewahrung vor „Mehltau, Frost Reif und Hagel“.

Während ich den Mai im Garten genieße, habe ich im Hinterkopf auch die Nachrichten, dass es zu wenig geregnet hat. Die Landwirte schauen besorgt auf den trockenen, harten Boden und bangen um den zukünftigen Ertrag der Ernte.

In den Radioandachten vor wenigen Tagen erinnerte ein Kollege an den Psalmvers „Gott, dein ist das Meer und was darinnen ist“. Die Fische und die anderen Lebewesen waren gemeint, aber in den letzten Jahrzehnten haben wir Menschen den Plastikmüll ins Meer gebracht, der dort in unheimlichen Strudeln von Küste zu Küste treibt.

Alle, die bei Spaziergängen und Ausflügen die Schönheit der Schöpfung genießen oder Sehnsucht nach ihr haben, während sie noch zu Hause gebunden sind, wir alle sollten jeden Tag die Schöpfung zu bewahren helfen.

Dazu hilft einfach ein sorgsamer Umgang mit dem, was wir verbrauchen und was wir als Müll hinterlassen. Viele von uns haben ja in den letzten Wochen gemerkt, wie wenig von den Konsumgütern wir tatsächlich zum Leben brauchen.

Wie lieblich ist der Maien- ich singe dieses Lied in jedem Jahr besonders gern.

Wenn unsere Frauenhilfe bisher zum Geburtstagskaffeetrinken einlud, durften sich die Geburtstagskinder aus den 3 zurückliegenden Monaten immer ein Lied wünschen. Wie lieblich ist der Maien– wurde mir seit Jahren als Liedwunsch erfüllt.

In diesem Jahr ist der Mai noch strahlender für mich. Ich konnte gerade meinen 60. Geburtstag feiern und auch mein 25 jähriges Ortsjubiläum in Ense. Gerne hätte ich mit ganz vielen Menschen, die mir in den zurückliegenden Jahren im Arbeiten und Leben in Ense freundlich, mitgehend und helfend begegnet sind, in einem Gottesdienst auf dem Möhneschiff gefeiert. Durch die Auflagen zum Schutz der Gesundheit ist der Gottesdienst auf dem Schiff mit so vielen Menschen bisher noch nicht möglich. Wir hoffen, dass wir das im nächsten Jahr erleben können und pflegen bis dahin unsere Vorfreude weiter.

Nun durfte ich allerdings an meinem Geburtstag sozusagen ein „Doppelfest“ erleben. Gratulanten trafen über den ganzen Tag verteilt im Garten ein und blieben in der heiteren Sommerfrische im Freien zum Feiern und Plaudern – mit dem nötigen, gebotenen Abstand. In den Tagen vorher erreichten mich schon herzliche Worte und Grüße in Briefen und Mails. Dafür danke ich sehr!

Am Abend erwartete mich noch eine riesengroße Überraschung. In einem Videofilm, der mir auf dem Parkplatz an der Kirche gezeigt wurde, grüßten mich eine große Schar von Wegbegleitern mit Hüten und Mützen geschmückt mit einem selbst gedichteten Lied. Während ich anschauen und anhören durfte, was mir alle „gut behütet“ wünschten, sangen die am Video Beteiligten das Lied live, während sie im großen Kreis vor der Paulus-Kirche standen.

Es ist unglaublich, welche Ideen da zusammenkamen, wieviel Bereitschaft, mir eine solche Freude zu machen und das in den derzeit schwierigen, mit so viel Einschränkungen geregelten Umständen!

Ich bin sehr froh und dankbar über dieses warmherzige Zeichen in so großer, freundschaftlicher Gemeinschaft. Möge diese Freude auch ansteckend wirken auf alle, die daran mitgewirkt haben!

Gleichzeitig erreichten mich in der Freude dieses „Doppelfest -Tages“ auch ernste Nachrichten. Wie in den vergangenen Wochen wurde um 19.30 Uhr unsere Kirchenglocke zum Beten geläutet. Diesmal war ich mit 2 Presbyterinnen zusammen in der Kirche. Wir konnten im Gebet einige Menschen mit ihren Sorgen vor Gott bringen. Es war an dem Tag ein guter, besonderer Moment des Innehaltens. Während ich dankbar feiern durfte, haben andere Menschen in unserer Gemeinde Abschied nehmen müssen von Familienangehörigen. Wieder andere sind mit Krankheiten, mit Sorgen und Pflegen belastet. An diese vertrauten Menschen vor Gott im Gebet zu denken, ist auch ein Teil unseres gemeinsamen Lebens im Glauben. Wir erhoffen Gottes Begleitung nicht nur in heiteren, sonnigen Zeiten, sondern auch in den „finsteren Tälern“ und dann, wenn wir denken, wir „versinken in tiefem Schlamm“ von Kummer und Not. Die alten Worte in den Psalmen finden auch Widerhall bei uns.

 In der 3. Strophe des Mailiedes klingt davon auch etwas an:

 

Herr, lass die Sonne blicken, ins finstre Herze mein, damit sich´s möge schicken,

fröhlich im Geist zu sein, die größte Lust zu haben allein an deinem Wort, 

das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort´.

 

Gottes Wort weist uns des Himmels Pfort´. Den heutigen Himmelfahrtstag nenne ich bei den Konfirmanden schon mal anders. Sie kennen den Tag oft als „Vatertag“. Ich sage, es ist der „Ich gehe zum Vater“-Tag von Jesus. Jesus ist nach Tod und Auferstehung bei Gott. Er zeigt uns mit seinem Weg den Weg, den wir nachfolgen können bis zur „Himmels Pfort“.

Darin mögen wir Kraft und Trost und neue Hoffnung finden – gerade in diesen Tagen!

Die letzte Strophe nimmt die Bitte auf und ist für mich auch ein Wegweiser für mein weiteres Leben und Arbeiten in Ense, gern auch mit Ihnen und Euch zusammen!

 

Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein

und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;

die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,

damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

 

Herzliche Grüße Ihre und Eure Pfarrerin Christine Dinter

Einige Hinweise für die nächste Zeit:

Freitag, 29.05., 18:00 Uhr,
Jugendgottesdienst in der Paulus-Kirche, Werl

Pfingstsonntag und –montag planen wir eine kleine Tour mit einem Pfingstgruß, auch musikalisch, in verschiedene Enser Orte, sozusagen „Kirche unterwegs“ in kleinen Portionen im Freien. Der Ablaufplan, wann wir wo für ca. 20 Minuten anzutreffen sind, wird auf der Homepage und in der Zeitung und im Schaukasten zu lesen sein. Wir hoffen auf gutes Wetter! Denken Sie daran, auch im Freien ist Abstand geboten!

Ab dem 14. Juni bieten wir sonntags um 10 Uhr und um 18 Uhr kurze Gottesdienste an, ähnlich wie diese Sonntagsgedanken. Da in der Paulus-Kirche nicht so viele Teilnehmer erlaubt sind, hoffen wir mit dem doppelten Angebot die Interessierten zu erreichen. Bitte bringen Sie einen Mund-Nasen-Schutz mit! Wir sitzen mit Abstand und sorgen für Desinfektion. Noch Fragen? Tel 2557

Dass Erde und Himmel dir blühen, dass Freude sei stärker als Mühen,

dass Zeit auch für Wunder, für Wunder dir bleib und Friede für Seele und Leib!

Sonntagsgedanken zum 17. Mai 2020 (Rogate-Betet!) 5. Sonntag nach Ostern

Zwischen dem Sonntag Kantate (Singt!) und dem Sonntag Rogate (Betet!) grüße ich Sie und Euch herzlich mit dem Wochenspruch:

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft

noch seine Güte von mir wendet. Psalm 66,20. Ihre Pfarrerin Christine Dinter

 

Zum Sonntag Rogate gehört der Psalm 95:

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken

und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen

und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der Herr ist ein großer Gott

und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat´s gemacht,

und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien

und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott

und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Amen.

 

Marc Pauly und ich singen einen Liedruf, ein gesungenes Gebet:

Herr, in deine Hände lege ich meinen Weg, begleite mich.

Herr, in deine Hände lege ich meine Zeit, erbarme dich.

Herr, in deine Hände lege ich meine Angst, erhöre mich.

Herr, in deine Hände lege ich meinen Dank, ich glaube an dich.

 

Liebe Gemeinde!

„Wer singt, betet doppelt“. So heißt ein Sprichwort, das mir zuerst in Kamerun, in unserem Partnerkirchenkreis begegnet ist. Als ich das hörte, habe ich mich gefreut, weil ich gern singe.

Erst jetzt fange ich an, mehr darüber nachzudenken, was der Satz bedeuten kann.

Ist Beten mit Worten allein wohl zu wenig? Muss es „doppelt“, d.h. auch noch mit einer Melodie geschehen? Das wäre ja schwierig für Menschen, die sich nicht zu singen trauen. Was soll der Satz also bedeuten?

Wer singt, bringt Worte und Klang hervor. Dadurch ist ein Beter und Sänger doppelt so laut und im besten Fall auch doppelt schön zu hören. Ob Gott dann so ein (gesungenes) Gebet leichter erhört?

Ich bin sicher, Gott hört auch die leisen Worte und das Schweigen und das Flehen und auch einen Seufzer.

„Wer singt, betet doppelt“ – kann auch bedeuten, dass ich ganz bei der Sache bin, mich konzentriere und ganz intensiv bete und singe. Nichts anderes ist dann dran. Nichts lenkt mich ab.

Beten und Singen heißt auch, ich setze doppelt meine Gaben ein und damit danke ich für dieses Geschenk, sprechen und singen zu können, vor Gott zu sein mit all meinen Sinnen.

Und wenn ich in Gemeinschaft singe und bete, dann bringt ein Lied und Gebet viele unterschiedliche Stimmen und Menschen zu einem großen Klang zusammen. Ein Ruf, ein Jubel, Bitte, Lob und Dank in großer Verbundenheit.

Das empfinde ich auch, wenn ich mit Menschen anderer Sprache das Vater unser bete. Immer wieder fasziniert es mich, wenn wir, jede und jeder in der Muttersprache das Vater unser beten und gemeinsam wie in einem Takt oder einer Melodie vereint beim Amen ankommen.

Es gibt beides: das gemeinsame Vater unser im Gottesdienst, das eine ganze Gemeinde als seine Kinder und Familie vor Gott bringt und das allein gesprochene Vater unser, oft als vertrautes Ritual am Morgen oder Abend, das die und den Betenden einzeln egal zu welcher Zeit in eine weltweite Gemeinschaft aufnimmt.

Beim Beten des Vater unser brauche ich einen langsamen Rhythmus, der mich die einzelnen Sätze so sprechen lässt, dass ich auch beim Aussprechen mitdenken kann, um was ich bitte. Dabei wird mir je nach Situation mal der eine und mal der andere Satz wichtiger sein. Je nachdem, wie das, was ich tagsüber allein oder mit anderen erlebt habe, in die Bitten, die Jesus uns geschenkt hat, hineinreicht.

Wenn ich bete, bin ich vor Gott. Da befinde ich mich bewusst vor Gott, freiwillig.

Ich habe eine Verbindung zu ihm und er zu mir. Das ist jederzeit und an allen Orten möglich. Es ist besonders kostbar, so verbunden zu sein.

Aber es kostet nichts, nur dass ich „Du, Gott“ sage oder denke und schon ist die Verbindung hergestellt. Ein Wunder! Wenn doch jede und jeder wüsste, dass es so einfach ist und dass man es einfach nur versuchen soll.

In unserem evangelischen Gesangbuch (Ausgabe Bayr-Thür ab S.1527, im Westfäl. ab S. 1390 ) gibt es einen Abschnitt übers Beten. Dort finden sich hilfreiche Gedanken und Anregungen.

„Beten ist ein Gespräch mit Gott, in dem das ganze Leben Platz hat: mit all seiner Freude und Dankbarkeit, seinen Hoffnungen und Wünschen und mit seinem Leid. Im Gebet holt die Seele Atem, sie schöpft neue Kraft für den Umgang mit den eigenen Möglichkeiten und den Kampf mit den persönlichen Problemen.

Mit dem eigenen Innersten aus sich selbst herauszutreten und auf diese Weise Gott zu begegnen, wird möglich, wenn ein Mensch eigenständig betet. Das geschieht mit Worten bekannter Gebete wie den Psalmen, dem Vater unser oder Liedstrophen. Das Gespräch mit Gott kann auch ein Stoßgebet sein, das nur aus wenigen Worten besteht, oder eines, das ganz frei formuliert ist. Beten ist Fühlen, Denken und Reden.“

Therese von Lisieux, eine kath Ordensfrau aus dem 19. Jahrhundert schreibt:

Für mich ist das Gebet ein einfacher Blick zum Himmel, ein Ruf der Dankbarkeit und der Liebe, aus der Mitte der Mühsal wie aus der Mitte der Freude. Es ist etwas Großes, das mir die Seele weitet und mich mit Jesus vereint.

 

Einige Gebete, die nach meinem Eindruck Gedanken in schönen Worten wiedergeben, möchte ich mit Ihnen und Euch teilen:

 

Danke für den neuen Tag

Guten Morgen, mein Gott. Ich freue mich auf den Tag. Ich lebe gern. Das will ich dir sagen.

So geht es heute nicht allen. Darum gib mir strahlende Augen, hilfreiche Hände, aufmerksame Ohren, wärmende Worte, behutsames Schweigen, einen Blick für das, was zwischen den Zeilen steht, und eine ansteckende Fröhlichkeit.

Schenke mir ein klares Gedächtnis für mein Wohlgefühl heute, damit ich mich erinnere, wenn ich selbst mal elend bin. Zwischen Licht und Dunkel wandern wir alle zu dir.

Guten Morgen, mein Gott. Ich lebe gern. Danke für diesen Tag. Amen.

 

 

Meine Hände (Christina Brudereck)

Zupacken will ich

und streicheln.

Nicht festkrallen

und nicht schlagen.

Begreifen kann ich

und loslassen.

 

Schreiben.

Begrüßen, schütteln.

Teig kneten.

Pflanzen, pflücken, jäten.

Klavier spielen.

Nähen, basteln.

Winken.

 

Ich will sie

zum Beten falten,

ihre Finger spitzen wie die

Ohren.

Empfangen will ich

und weiterschenken.

Meine Hände gebe ich in

deine.

 

Ich spreche und bete das

Gebet für viele mit den Worten von Lothar Zenetti, einem kath. Pastor aus Frankfurt:

 

Behüte, Herr, die ich dir anbefehle, die mir verbunden sind und mir verwandt.

Erhalte sie gesund an Leib und Seele und führe sie an deiner guten Hand,

 

sie alle, die mir ihr Vertrauen schenken und die mir so viel Gutes schon getan.

In Liebe will ich dankbar an sie denken, o Herr, nimm dich in Güte ihrer an.

 

Um manchen Menschen mache ich mir Sorgen und möchte ihm helfen,

doch ich kann es nicht.

Ich wünschte nur, er wär bei dir geborgen und fände aus dem Dunkel

in dein Licht.

 

Du ließest mir so viele schon begegnen, so lang ich lebe, seit ich denken kann. Ich bitte dich, du wollest alle segnen, sei mir und ihnen immer zugetan.

 

Mache die Grenzen zu Lehrerinnen (Christina Brudereck)

Lehre uns, unsere Tage zu zählen, damit wir ein weises Herz erlangen.

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

(Psalm 90,12)

Ewige, mein Gott.

Lehre mich bedenken, dass ich hier nicht ewig Zeit habe,

damit ich nicht immer aufschiebe, was mir wichtig ist.

 

Lehre mich bedenken, dass alles begrenzt ist,

damit ich großzügiger werde mit mir und anderen.

 

Lehre mich bedenken, dass ich endlich bin,

auf dass ich die Unendlichkeit aufspüre.

 

Lehre mich bedenken, meine Jahre zu zählen

und mein Herz an die Idee der Ewigkeit zu gewöhnen,

damit ich gelassener werde.

 

Lehre mich bedenken, dass ich gehen muss,

damit ich neugierig werde.

 

Mache die Grenzen zu Lehrerinnen für meine Seele,

Ewige, mein Gott.

Ich danke dir für meine unendlich große Sehnsucht.

Und für jede andere deiner charmanten Erinnerungen daran,

dass es noch mehr gibt, etwas vollkommen anderes.

Zuletzt hören Sie das Segenslied aus dem Gesangbuch (Nr 171)

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen.

Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden.

Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns vor allem Bösen.

Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch deinen Segen.

Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen.

 

So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Sonntagsgedanken zum 10. Mai 2020 (Kantate – Singt!) 4. Sonntag nach Ostern

Am Sonntag Kantate heißt der Wochenspruch:

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. 

So lautet der Beginn von Psalm 98, dem Sonntagspsalm.

Ein neues Lied nimmt den Psalm mit einer brasilianischen Melodie auf:

(1)Ich sing dir mein Lied- in ihm klingt mein Leben.

Die Töne, den Klang hast du mir gegeben von Wachsen und Werden, 

von Himmel und Erde, du Quelle des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

(2) Ich sing dir mein Lied- in ihm klingt mein Leben. 

Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben von deiner Geschichte,

in die du uns mitnimmst, du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

(4) Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.

Die Höhen, die Tiefen hast du mir gegeben. Du hältst uns zusammen 

trotz Streit und Verletzung, du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

(5) Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang 

hast du mir gegeben von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen, 

du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Es ist eine alte theologische Grundüberzeugung, dass die Schöpfung zur Ehre Gottes singt und klingt. Der Psalm 98 in einer Übertragung von Peter Spangenberg sagt es so:

Singt Gott ein neues Lied;

denn er überschüttet uns mit Geschenken aus seiner Hand, 

mit Geschenken des Lebens.

Er sorgt für neue Hoffnung durch seine große Kraft.

Er gibt sein Ziel für ein rundes und erfülltes Leben bekannt 

und lässt die Völker wissen, 

was er sich unter Gerechtigkeit vorstellt.

Er vergisst nicht, was er für das Volk Israel getan hat, 

als er es in die Freiheit führte 

und in der Wüste bei ihm blieb:

mit seiner ganzen Zuwendung und Treue.

Das muss sich doch herumsprechen in der Welt!

Lasst eure Herzen sprechen, ihr Menschen, 

singt, lacht, freut euch, tanzt und macht Musik.

Musik mit allen Instrumenten, die ihr findet.

Das Brausen des Meeres ist die schönste Begleitung, 

das Plätschern der Bäche ist wie Gesang, 

und die Kuppen der Berge strahlen wie frohe Gesichter.

Denn Gott wird kommen und nachsehen, 

wer zu ihm gehalten hat und wer nicht.

Danach wird er urteilen, weil so sein Recht ist.                              Amen.

Liebe Gemeinde !

Heute, vor dem Sonntag Kantate, möchte ich Ihnen eine Geschichte vorlesen (bzw. sie mit Ihnen teilen) aus einem Buch von Tina Willms. Sie ist Theologin und Autorin. Tina Willms erzählt von einem Geigenbauer, Martin Schleske. Er hat seine Lebens- und Berufserfahrungen selbst schon in einem Buch veröffentlicht. Es hat den Titel: Der Klang. Vom unerhörten Sinn des Lebens, erschienen im Wilhelm Goldmann Verlag, München 2014 in der 5. Auflage.

Tina Willms hat ihre Gedanken über den Geigenbauer genannt: Die Welt zum Klingen bringen.  Sie schreibt:

Zwei Männer in einem Winterwald weit oben auf einem Berg.

Einen mühevollen Weg haben sie hinter sich; nun gehen sie an den Bäumen entlang und beklopfen sie mit der stumpfen Seite einer Axt. Sie lauschen den Tönen, die entstehen. Dann markieren sie den einen oder anderen Baum.

Was tun die beiden dort? Einer von ihnen, Martin Schleske, ist Geigenbauer, er ist auf der Suche nach den sogenannten „Sängern“ unter den Bäumen. Diese bringen besondere Töne hervor, wenn man sie mit der Axt beklopft. Und sie werden gutes Klangholz sein für seine Instrumente.

Später findet sich dieses Holz in der Werkstatt von Martin Schleske wieder.

Der Baum-Sänger wird zu einer Geige werden, die im Konzertsaal mit ihrem Klang die Zuhörer verzaubert. 

Der Geigenbauer versteht seine Arbeit als eine schöpferische. Er unterscheidet sie von der Konstruktion, wo sich das Material dem Willen des Erbauers fügen und damit möglichst perfekt und makellos sein muss.

In seiner Werkstatt ist es anders. Schleske arbeitet mit dem, was er vorfindet. Er bezieht die Besonderheit des Holzes in seine Arbeit mit ein: die Maserung, die Dicke der Jahresringe, Unregelmäßigkeiten im Wuchs. 

Gerade das Unvollkommene, die Eigenart ist unverzichtbar für den besonderen und somit auch perfekten Klang jedes einzelnen Instruments.

Indem er sich als Schöpfer begreift, klinkt Martin Schleske sich ein in das Selbstverständnis dessen, der die Welt ins Leben ruft. Auch für den Schöpfer der Welt – so erzählen es die ersten Seiten der Bibel – ist das Ausgangsmaterial keineswegs perfekt. Ein Tohuwabohu findet Gott vor, ein chaotisches, wüstes Durcheinander. Der Grundstoff für sein Vorhaben scheint alles andere als optimal zu sein.

Und er muss offensichtlich nicht perfekt sein. Denn Gott konstruiert nicht, sondern er erschafft und belebt.

Dafür braucht er kein ideales Ausgangsmaterial. Er arbeitet mit dem, was er vorfindet. Er entdeckt das Potenzial, das darin steckt. Die Eigenarten, die andere vielleicht als Makel empfinden würden, deutet er um und lässt sie einfließen in das, was entsteht.

Wie wäre es, sich selbst als Werk dieses Schöpfers zu begreifen? Wir, Sie und ich, sind angesehen, so wie wir sind, wir sind entstanden aus Gottes Vision.

Unsere Eigenarten, das, was wir selbst oder auch andere als Makel empfinden könnten, interpretiert er als Besonderheit.  So werden wir zu seinen Resonanzräumen, in denen sich seine Stimme entfaltet. Gemacht, um die Welt zum Klingen zu bringen. 

Ja, Gott macht uns sogar zu seinen Mitschöpfern. Er vertraut uns an, was er erschaffen hat. Wir können uns einklinken in seine Arbeitsweise. Nicht nur als Geigenbauer. Sondern an dem Platz, an dem wir sind.

Eine sorgsame Wahrnehmung ist dafür gefragt. Ohren, die den Klang schon hören, der entstehen könnte.  Augen, die die Schönheit des Eigenartigen sehen und sich faszinieren lassen von der Vielfalt des Lebendigen.  Als schöpferische  Menschen werden wir die Welt nicht zurechtbiegen, sondern gestalten.  Wir werden andere Menschen nicht in unsere Erwartungen hineinzwingen und verlangen, dass sie sich unseren Wünschen anpassen. Wir werden vielmehr das Potenzial entdecken, das im Vorfindlichen steckt, um dann hervorzuheben, wie einzigartig es ist.

Neugierig bleiben wie die beiden Männer auf dem Berg. Lauschen, entdecken, keine Mühe scheuen, Visionen entwickeln.

Die Geige wird den Konzertsaal füllen mit ihrer Musik. Wir werden Resonanzräume sein, die die Welt zum Klingen bringen. Gott wird lauschen und sich daran erfreuen.

Soweit die Gedanken von Tina Willms.

Im Gesangbuch finden Sie das Lied von Paul Gerhardt  Ich singe dir mit Herz und Mund  unter der Nr. 324.  Die Strophen 1+3+8+13 lauten so:

Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr meines Herzens Lust; 

ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

Was sind wir doch?  Was haben wir auf dieser ganzen Erd, 

das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben wird? 

Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu

und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei.

Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut!

Dein Gott, der Ursprung  aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.

So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.     Amen.

Am Sonntag Kantate ist evangelischer Gottesdienst im Fernsehen

 um 10 Uhr  auf MDR  und   BR, ebenso im Radio  im DLF um 10 Uhr.

Die Paulus-Kirche in Ense- Bremen ist am Sonntag von 16 bis 17.30 Uhr geöffnet für Stille und Gebet.

Draußen oder drinnen bin ich anzutreffen, gerne zu einem Gespräch bereit unter Wahrung des nötigen Abstands zum Schutz der Gesundheit. Ebenso können Sie mich  am Sonntag oder im Alltag gern anrufen, Tel 2557.

Herzliche Grüße zum Sonntag Kantate! 

                                                                   Ihre Pfarrerin Christine Dinter

Fürbittengebet im Mai 2020

In dieser Zeit läuten abends um 19.30 Uhr die Glocken an vielen Orten in ökumenischer Verbundenheit. Sie laden ein, im Gebet vor Gott an Menschen in ihrer besonderen Situation zu denken und Gottes Hilfe für sie zu erbitten. Das folgende Gebet hat Verena Löhr-Luckert geschrieben und in dieser Woche in einer Andacht in der Paulus-Kirche gebetet:

Fürbittengebet von Verena Löhr-Luckert

  • Ich denke an all die einsamen und verzweifelten Menschen, die schon vor der Situation um Corona kaum Kontakte hatten und nun auf ihre vier Wände angewiesen sind, die ihnen jetzt bedrohlich nah und eng erscheinen.

  Guter Gott, ich bitte um Lichtblicke im Alltag dieser Menschen.

  • Ich denke an die alten Menschen in Pflegeheimen, deren Alltag ohne Besuche der Angehörigen noch eintöniger und freudloser wird, an Patienten in Krankenhäusern, denen es an mancher erleichternder Kleinigkeit fehlt, die ihre Lieben vorbeigebracht hätten, die kaum Aufmunterndes hören, um mit der Erkrankung klar zu kommen.

Guter Gott, ich bitte um Lichtblicke im Alltag dieser Menschen.

  • Ich denke an Ärzte, Pfleger und Therapeuten im Gesundheitswesen, die täglich den Gefahren der Ansteckung ausgesetzt sind, die im höchsten Maße flexibel mit den Herausforderungen im Arbeitsalltag umgehen müssen und bis zur Erschöpfung arbeiten.

Guter Gott, ich bitte um Lichtblicke im Alltag dieser Menschen.

  • Ich denke an die Verkäuferinnen und Verkäufer, Friseure, LKW-Fahrer und andere Berufsgruppen die unter großem persönlichen Risiko und schlechten Arbeitsbedingungen arbeiten.

Guter Gott, ich bitte um Lichtblicke im Alltag dieser Menschen.

  • Ich denke an Familien, die sich auch wenn sie nah beieinander wohnen, im Moment nicht sehen können, Großeltern die das neugeborene Enkelkind nicht besuchen und Eltern, die nur schwer Homeoffice und Betreuung ihrer Kinder leisten können.

 Guter Gott, ich bitte um Lichtblicke im Alltag dieser Menschen.

  • Ich denke an Besitzer von kleinen Läden oder Restaurants, die um ihre Existenz kämpfen, die sich auf Kundschaft freuen und es dieser so angenehm wie möglich gestalten wollen. Doch ihre Situation ist sehr angespannt.

Guter Gott, ich bitte um Lichtblicke im Alltag dieser Menschen.

  • Ich denke an die vielen Verantwortlichen, Chefs, Politiker und Regierungsmitglieder.

Sie tragen viel Verantwortung und stehen unter Druck und im Mittelpunkt unterschiedlicher Interessenlagen. Diesen sollten sie nur mit Weitblick und ohne Eigennutz begegnen.

Guter Gott, ich bitte um Lichtblicke im Alltag dieser Menschen.

  • Ich denke an meine Familie und Freunde, die ich derzeit kaum sehen, mit ihnen etwas unternehmen und vor allem sie in den Arm nehmen kann, nicht zuletzt um die auch beängstigende derzeitige Situation miteinander besser tragen zu können.

Guter Gott, ich bitte um Lichtblicke im Alltag dieser mir wichtigen Menschen.

Sonntagsgedanken zum 3. Mai 2020 (Jubilate- Jubelt! 3. Sonntag nach Ostern)

Jubilate Deo omnis terra. Servite Domino in laetitia.

Alleluja, alleluja, in laetitia. Alleluja, alleluja, in laetitia.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt.

Dienet dem Herrn mit Freuden. Halleluja (Lobt Gott!) in Freude.

Lied aus Taizé, 1981 in unserm Gesangbuch Nr. 617

Liebe Gemeinde nach Ostern!

Jubilate- so heißt der Name des kommenden Sonntags. Jubelt, jauchzt! Was für ein toller Ausruf im Wonnemonat Mai! An diesem Wochenende, am Samstag und am Sonntag wollten unsere Jugendlichen ihre Konfirmation feiern und ihre Familien, Freunde und Verwandte und Gemeinde, alte und neue Presbyter und Presbyterinnen mit ihnen.

Wie gern hätten wir gejubelt, gesungen, Gott gedankt und gefeiert!

Schon seit ca. 20 Jahren feiert unsere Gemeinde die Konfirmation in dieser nachösterlichen Freudenzeit am Sonntag Jubilate. Es ist immer ein Tag, auf den die Jugendlichen, ihre Familien und alle am Gottesdienst Beteiligten mit einer eigenen Spannung und Vorfreude zugehen. In diesem Jahr muss die Konfirmation wegen der Corona-Krise verschoben werden. Wir wissen noch nicht, an welchem Sonntag in welchem Monat wir das Fest feiern werden. Schade.

Also gibt es an diesem Sonntag nichts zu jubeln? Wem ist in diesen Zeiten noch nach Jubeln zumute? Unsere Geduld wird strapaziert. Es wird mühsam, immer an den Mund-Nasen-Schutz zu denken und Abstand einzuhalten, wenn man einfach mit jemand reden möchte wie früher. Aber Abstand bedeutet Gesundheitsvorsorge und -fürsorge!

Es stellt sich heraus, dass trotz aller Unterstützungszahlungen, die am Anfang so gut und hilfreich klangen, die wirtschaftliche Krise viele Menschen erfasst. Noch ist nicht klar, ob diejenigen, deren Existenz bedroht oder schon weggebrochen ist, sich mit staatlicher Hilfe oder mit neuen Ideen werden retten können. Nach Jubeln wird ihnen gewiss nicht zumute sein.

Wie sieht es bei den Menschen in unserer Umgebung aus? Nachbarn helfen denen, die allein sind. Viele Menschen entdecken Talente, die sie für andere einbringen, indem sie z.B. nähen oder einkaufen oder Telefonkontakte pflegen.

Ist so ein Miteinander schon ein Grund zum Jubeln?

Ich denke: Ja! Und der Sonntag behält seinen Namen und den Psalm, der ihm den Namen gibt, egal, ob wir in äußerlich leichten oder schweren Zeiten leben.

Eigentlich stammt das Wort Jubilate aus Psalm 66 im Alten Testament. Der Psalm erzählt von Gottes schöpferischem und rettenden Handeln.

Ich hatte ganz schnell den Kanon aus Taizé im Kopf, der das lateinische Anfangs-Wort aufnimmt, aber im Inhalt auf den Psalm 100 zurückgreift.

(Es gibt noch mehr Psalmen, also Lieder und Gebete der Bibel, die Lob und Dank ausdrücken, in denen zum Jubel aufgefordert wird.)

Die Fortsetzung „Dienet dem Herrn mit Freuden.“ lässt mich an den Monatsspruch für den Monat Mai 2020 denken. Er lautet:

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes,

ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! (1. Petrus 4,10)

Wie herzlich sich Menschen für einander einsetzen oder sich für erwiesene Hilfe bedanken mit Grüßen in Wort und Bild und Gesang und Applaus ist ein Abbild der unterschiedlichen Gaben, die wir von Gott empfangen haben. Mancher entdeckt diese Gaben vielleicht nun überraschend an sich und anderen und wird auch dafür dankbar.

Unser Miteinander ist ein Dienst am Nächsten und für Gott als seine dankbaren Geschöpfe. Wenn auch kein üblicher Gottesdienst am Sonntag in der Kirche gefeiert werden kann, so geschieht „Gottesdienst im Alltag“, wo wir nach Gottes Gebot fürsorglich miteinander umgehen.

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Lukas 10,27 und 5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18)

Das Doppelgebot der Liebe ist schon lange in der Welt. Aber die Welt ist immer noch in arm und reich, Bevorzugte und Benachteiligte, Chancenreiche und Chancenlose geteilt. Lange haben wir auf der „Butterseite“ gelebt – so habe ich es oft etwas salopp ausgedrückt. Menschen, denen ihre privilegierte Situation bewusst war, haben, wenn sie das Unrecht in der Welt nicht ruhen ließ, nach Projekten gesucht, in denen sie sich engagieren konnten. Daraus ist viel Hilfe für die Eine Welt entstanden. Solche engagierten Menschen wehren sich dagegen, ihr Handeln nur als einen „Tropfen auf den heißen Stein“ zu sehen. Ich denke oft, in unseren Nachrichten in den Medien sollten mehr Beispiele von einzelnen Engagierten gezeigt werden als die üblichen Konferenzfotos der Regierungschefs nach gelungenen oder misslungenen Treffen oder etwa Provokationen in Worten oder Taten, die neue Konflikte anfachen. Warum erzählen wir so selten von den guten Erfahrungen, die wir machen durften. Warum sollten nur schlechte Nachrichten wichtige Schlagzeilen sein?

Lassen wir uns lieber von Menschen mit ihren guten Worten und Handlungen beeindrucken!

Der Monatsspruch für den Mai erinnert uns daran, dass wir Gottes vielfältige Gnade empfangen haben und sie nun einsetzen können, ohne besonderes Zeugnis oder Empfehlungsschreiben, einfach nach der Begabung, die wir mitbekommen haben.

Der Adressatenkreis dieser Botschaft im 1. Petrusbrief ist unüberschaubar groß. Die Gaben heißen im griechischen, ursprünglichen Text: Charismen. Charisma ist nicht einfach eine Fähigkeit. Sie ist Gottes Gegenwart, die sich im Handeln konkret ereignet. So wird Gabe zu einer Aufgabe. Im Augenblick meines sinnvollen Tuns weiß ich mich mit Gott verbunden. So erlebt auch mein Glaube eine Stärkung und Belebung.

Die bisher gewohnte Weltsicht und die Sicht unserer eigenen Zukunft in der Welt erleben einen starken Umbruch. Menschen fragen verstärkt nach ihrem Platz oder dem Sinn ihres Tuns. Im Dienst sein für Gott und den Nächsten und damit meinen Ort als Gotteskind in der Welt im Miteinander der Geschöpfe

finden - das ist nicht nur eine reizvolle Herausforderung für Konfirmandinnen und Konfirmanden.

„Lassen Sie uns miteinander für einander beten“- so sagte es die Pfarrerin im Fernsehgottesdienst aus Ingelheim, vielleicht auch wieder am kommenden Sonntag im ZDF ab 9.30 Uhr.

Der Psalm 100, nachgedichtet in den Worten von Uwe Seidel, beschreibt auch die sinnvollen menschlichen Taten, die aufs Beten folgen können:

Psalm 100

Deine Schöpfung

Alle Länder der Erde, die Regierungen der Völker, die Bewohner der Städte, die Menschen aller Landschaften

haben einen Wunsch:

Sie loben Gott, ihren Herrn.

Sie führen keine Kriege mehr.

Sie misshandeln keine Menschen.

Sie kämpfen nicht mehr gegeneinander.

Sie zerstören nicht mehr die Erde,

sie legen die Schöpfung zurück in Gottes Hand.

Sie haben erkannt: Gott allein ist der Herr.

Sie dienen Gott mit großer Freude:

Helfen und Heilen ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen.

Ihre Freude wirkt wie eine ansteckende Gesundheit.

Noch viele Menschen werden diese Freude weitergeben

und von ihr erzählen:

Alle Länder der Erde, die Regierungen aller Völker, die Bewohner der Städte, die Menschen aller Landschaften

verwirklichen die Güte Gottes.

Amen.

Mögen Zeichen solcher Freude auch durch den Wonnemonat Mai 2020 ziehen!

„In laetitia“, in Freude sein und, wenn auch ein neues Fest vom Termin her verschoben werden muss, nicht Trübsal blasen, sondern die Vorfreude erweitern und Pläne schmieden, von Erinnerungen an bereits Schönes, Erlebtes erzählen -

das mag uns in der kommenden Zeit mit einander und mit Gott verbinden!

Gern grüße ich Sie und Euch mit dem Segens-Lied, das im Jugendgottesdienst längst zum beliebten Abschluss mit der Band Gegenwind gehört:

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:

Niemand ist da, der mir die Hände reicht.

Niemand ist da, der mit mir Wege geht.

Keinen Tag soll es geben: da du sagen musst:

Niemand ist da, der mich mit Kraft erfüllt.

Niemand ist da, der mir die Hoffnung stärkt.

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:

Niemand ist da, der mich mit Geist beseelt.

Niemand ist da, der mir das Leben schenkt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft,

der halte unsern Verstand wach und unsere Hoffnung groß

und stärke unsere Liebe. (Uwe Seidel)

Mit herzlichem Gruß von Ihrer Pfarrerin Christine Dinter

Sonntagsgedanken zum 26. April 2020 (Miserikordias Domini- Barmherzigkeit Gottes, auch Sonntag „vom guten Hirten“ genannt)

Osterlied

Seht, der Stein ist weggerückt

nicht mehr, wo er war

nichts ist mehr am alten Platz

nichts ist, wo es war

halleluja

Seht, das Grab ist nicht mehr Grab

tot ist nicht mehr tot

Ende ist nicht Ende mehr

nichts ist, wie es war

halleluja

Seht, der Herr erstand vom Tod

sucht ihn nicht mehr hier

geht mit ihm in alle Welt

er geht euch voraus

halleluja

(Lothar Zenetti, Texte der Zuversicht)

Liebe Gemeinde nach Ostern!

„Nichts ist, wie es war“ – das können viele in diesen Zeiten sagen. Wir erleben, dass ein Virus die Welt verändert. In jeder Woche gibt es neue Informationen, Regeln, Erwartungen. Jede und jeder erlebt diese Situation eines Umbruchs auf eigene Weise. Die einen werden einsam, die anderen sind belastet und überlastet.

Die nächsten haben mehr freie Zeit als bisher, vielleicht mit Erleichterung für Erledigungen, die lange aufgeschoben wurden, vielleicht mit Langeweile, weil Verabredungen platzen, gewohnte Hobbys nicht ausgeübt werden können.

Direkte Kontakte werden vermisst, Pläne und Träume zerbröseln.

Nun werden Lockerungen der Kontaktsperren erprobt, trotzdem sollen wir Vorsicht walten lassen, um uns nicht mit dem Virus anzustecken oder es zu übertragen.

Selbstdisziplin haben wir schon in den zurückliegenden Wochen eingeübt.

Die Aussicht ist, dass wir sie noch länger bewahren und pflegen müssen.

Wie sollen wir uns auf solche Zustände in einem unbekannten Zeitraum einstellen?

Wo finden wir Halt? Ein Geländer, an das wir uns mit unsicheren Schritten stützen können?

Lothar Zenettis Gedicht sagt mit Worten aus unserer Zeit, was die Welt wirklich verändert hat: Ostern mit der Auferstehung Jesu Christi.

„tot ist nicht mehr tot, Ende ist nicht Ende mehr, nichts ist wie es war“

Die Menschen, die es damals erlebt haben, brauchten Zeit, um sich mit der neuen Situation zurechtzufinden. Das Gute war, sie waren nicht allein. Die Frauen gingen zusammen zum Grab, die Jünger machten sich mit ihren Fragen und ihrer Unsicherheit zu zweit auf den Weg nach Emmaus und erlebten, dass Jesus als Dritter an ihrer Seite ging und ihnen einen Weg wies, zu begreifen, was sich durch Kreuz und Auferstehung für ihr Leben verändert hatte.

Frauen und Männer damals nach Ostern fanden den Mut, weiterzusagen, was sie erlebt hatten und neue Wege zu gehen. Sie folgten der Weisung: „sucht ihn nicht mehr hier (am Grab), geht mit ihm in alle Welt, er geht euch voraus“

Ohne ihren Glauben und Mut hätten wir heute keine Osterbotschaft, keine Zuversicht schenkende Aussicht, keine Hoffnung im Leben und im Sterben.

Von Ostern her schreibt auch der Briefschreiber des 2. Timotheusbriefes, vermutlich ein Schüler und Begleiter von Paulus. Er befindet sich in Gefangenschaft und gibt eine Botschaft weiter, die uns erreicht:

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft

und der Liebe und der Besonnenheit (2. Tim 1,7).

Der Grund für seine Zuversicht ist Gottes Gnade. Sie wurde offenbar „durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus. Er hat den Tod besiegt. Und er hat durch die Gute Nachricht unvergängliches Leben ans Licht gebracht“ (Übersetzung der Basisbibel).

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Dieser Vers ist vielen Menschen schon in der Vergangenheit ein Leitwort geworden. Wir können ihn wie ein Signal von Ostern her verstehen, das uns ein Geländer für die unbekannte Zukunft bietet.

Gott möchte nicht, dass die Menschen, seine geliebten Geschöpfe, Angst haben. Das zieht sich wie ein roter Faden durchs Evangelium. „Fürchte dich nicht…“ – diese Worte der Engel finden sich immer wieder in der Frohen Botschaft. Sie werden den Hirten gesagt, den Frauen am Grab, den Jüngern in der Begegnung mit dem Auferstandenen. Der Glaube an Gott, an seine Liebe und Gnade möchte und kann mir die Furcht im Leben nehmen. Wie geht das konkret?

Für mich bedeutet Kraft, am Glauben festzuhalten – gerade dann, wenn es schwierig ist. Mir hilft es dann, Ängste, Sorgen, Zweifel und Fragen im Gebet auszusprechen. Was in Worte gefasst ist, verliert ein wenig von seinem unklaren, oft ins Maßlose wachsenden Schrecken. Ich bete im Vertrauen darauf, dass ich gehört werde, dass Gott sich meiner Ängste annimmt. Kraft bedeutet für mich auch Geduld. Geduld zu haben mit Gottes Liebe, wie er Geduld hat mit meiner Schwäche.

Liebe hilft, zu versuchen, einmal von mir wegzusehen und den Nächsten in den Blick zu nehmen. Jemand sagte mir in diesen Tagen: „Meine Arbeit ist mir gekündigt worden wegen der Corona-Umstände. Ich suche jetzt eine neue Tätigkeit zum Geldverdienen. Aber wir kommen in der Familie zurecht. Die vielen Menschen, die in andern Ländern weniger medizinische Hilfe haben, um sie mache ich mir Sorgen“. Eine Familie hat als Antwort auf den Ostergruß aus der Kirchengemeinde einen Frühlingsgruß gebastelt und vor meine Tür gestellt.

Menschen aus verschiedenen Orten geben jeden Tag alte Verbandskästen für unsere Sammelaktion ab. Da ist viel Liebe, für die wir danken können.

Besonnenheit- was kann damit damals und jetzt gemeint sein? Dass ich ruhig bleiben kann, während um mich herum Verschwörungstheorien blühen oder Geschäftemacher unerforschte Heilmittel präsentieren. Dass ich mich auf mein Gottvertrauen besinne, alte und neue Glaubenslieder auch allein singe und mich dennoch mit anderen in ihrem Zuhause verbunden weiß. Ich erlebe auch fremde Menschen beim Einkaufen oder Spazierengehen, die sich auf freundliche Art begegnen und damit ermutigen, die ungewohnte Situation mit Humor und getrost durchzustehen.

Nach der Auferstehung Jesu ist die Welt nicht mehr so, wie sie vorher gewesen ist. Seitdem haben wir eine Hoffnung, stärker als jede Angst und über den Tod hinaus.

Zwei Konfirmanden dieses Jahres haben sich den Bibelvers als ihren Konfirmationsspruch ausgesucht. Eine Mutter sagte vor einigen Wochen schon: „Na, das passt doch in diese Zeit!“ Ich sage: Auch wenn wir noch nicht wissen, wann die Konfirmation gefeiert werden kann, die gute Nachricht bleibt:

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Herzliche Grüße aus der Evangelischen Kirchengemeinde Ense

Ihre Pfarrerin Christine Dinter

Ein Lied aus Taizé, das wir hoffentlich bald wieder im Gottesdienst singen können (Evangelisches Gesangbuch 697):

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht:

Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht,

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

Was für ein Vertrauen ! so hieß die Losung des Kirchentages 2019 in Dortmund.

Zum Kirchentag gehörte der 23. Psalm, der jeden Tag gebetet wurde.

Hier ist eine Übersetzung des Psalms in Leichte Sprache:

Gott ist bei mir.

Ich vertraue Gott.

Gott sorgt für mich.

Gott ist wie ein Hirte.

Von allem habe ich genug.

Ich vertraue Gott.

Gott hat einen Platz für mich.

Da liege ich im grünen Gras.

Ich habe frisches Wasser.

Mir geht es gut.

Gott gibt meinem Atem Kraft:

Ich lebe.

Ich freue mich.

Gott zeigt mir den guten Weg.

Ich traue mich den Weg zu gehen.

Und wenn mein Weg dunkel ist:

Wenn ich Angst habe.

Oder bei Not und Gefahr.

Du Gott:

Dann habe ich Vertrauen.

Dann habe ich Mut.

Was auch geschieht:

Du Gott bist bei mir.

Du Gott gibst mir Schutz und Trost.

Gott lädt mich ein.

Ich bin willkommen.

Wer mir Böses wünscht sieht:

Ich bin ein Gast bei Gott.

Ich bin willkommen.

Gott berührt mich:

Der Segen von Gott schenkt mir Würde.

Es gibt das beste Essen.

Und genug zu trinken.

Jeden Tag erlebe ich Gutes.

Liebe ist mit mir.

Und bei Gott bin ich zuhause.

Ich vertraue Gott.

Heute. Morgen. Immer. Amen.

Sonntagsgedanken zum 19. April 2020 (Quasimodogeniti – 1. Sonntag n. Ost.)

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Ostern, das heißt für uns: Wir sind wie neugeboren. Wir, die wir an Jesus Christus glauben. Wir sind Erbinnen und Erben. Schon jetzt. Und in Ewigkeit.

Wir loben Gott und stimmen ein in die Worte des Wochenspruchs (1.Petrus 1,3):

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,

der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat

zu einer lebendigen Hoffnung

durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Liebe Gemeinde nach Ostern!

Was hab ich davon? Was krieg ich für meinen Einsatz? Was gibt´s zu erben?

Diese Fragen werden manchmal gestellt, laut oder leise. Zielgerichtet. Aus eigenem Interesse. Manchmal berechtigt. Manchmal übertrieben oder verletzend

Haben Sie schon mal was geerbt? Ein Schmuckstück? Einen Gegenstand, der Ihnen etwas bedeutet? Manche Menschen vererben auch schon zu Lebzeiten etwas. Echte Reichtümer. Oder Dinge, die einen symbolischen Wert haben. Manchmal lassen Menschen auch Schulden zurück. Die Erben können das Erbe annehmen oder ablehnen. Auch davon handelt der biblische Text, der am Sonntag zu den Lesungen gehört, aus dem 1. Petrusbrief 1, 3-9, hinten im Neuen Testament:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,

zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe,

das aufbewahrt wird im Himmel für euch,

die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet

zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen

mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,

wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Ein unvergängliches und unbeflecktes und unverwelkliches Erbe. Beständiger als Gold. Dieses Erbe, so schreibt der Verfasser des 1. Petrusbriefes, das wartet auf euch. Wird im Himmel für euch aufbewahrt. Euch, die ihr glaubt, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, wird dieses Erbe zuteilwerden.

Euch Jesus-Anhängern. Die ihr manchmal belächelt werdet. Oder beschimpft. Weil euer Glaube so wenig in die Welt passt. Eure Hoffnung auf Frieden. Auf Heilsein.

Große Worte damals und große Worte heute. Was verbinden wir damit in einer Zeit, in der gerade so viel Gewohntes ins Wanken kommt? Ist jeder sich selbst der Nächste, nicht erst wenn es ums Erben, sondern wenn es schon um den Einkauf alltäglicher Dinge geht? Leben wir in zwei verschiedenen Welten? Träumen vom himmlischen Erbe und müssen uns doch mit den irdischen Realitäten herumschlagen?

Viele Menschen kommen durch neue Erfahrungen in diesen Tagen ins Nachdenken darüber, was wirklich zählt und ihnen im Leben wichtig ist. Eine Existenz haben, in Sicherheit und Gesundheit leben, Kontakt zu Familie und Freunden erleben können- was selbstverständlich war, ist es plötzlich nicht mehr.

Der 1. Petrusbrief stellt unsere Existenz mit der Taufe in den großen Rahmen einer Glaubens-und Erbengemeinschaft. Im christlichen Glauben zu leben, bewahrt mich nicht vor Schwierigkeiten und Anfechtungen.

Was ist, wenn vieles, was zu meiner Existenz bisher wichtig war, wegbricht? Mit weniger Geld verliere ich etwa meine Wohnung, Sicherheit, Partnerschaft und Zukunft? Mit Glauben allein kann ich keine Rechnung bezahlen.

Aber ich bin nicht allein.

Ich gehöre in eine Gemeinschaft der Glaubenden. Ich kann andere um Unterstützung bitten. Ich kann Beistand von Gott erbitten. Geduld, Besonnenheit, ruhiges Nachdenken und Beraten. Mithilfe bei Entscheidungen, Kraft zum Umsetzen.

In einer weltlichen Erbengemeinschaft kann es widerstreitende Interessen geben.

In der Erbengemeinschaft der Gotteskinder gibt Gott Liebe und Güte als Geschenk für alle. Niemand soll zu kurz kommen. Damit wird Verantwortung für einander geweckt. Als Beschenkte teilen wir frohen Herzens. Wo das bisher schon gelungen ist, kann sich Freude und Zuversicht ausbreiten. Die Osterfreude ist schon weitergetragen worden mit kleinen aufmerksamen Grüßen, Klängen und Kerzen. Zeichen des verständnisvollen und freundlichen Umgangs mit einander gehören zu den überraschenden Erfahrungen in dieser Zeit. Die wärmende Sonne in diesem aufbrechenden Frühling, hat nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich viel erwärmt. Wie ein vorgezogener Ostergruß davon, wie Gott uns neues Leben schenkt.

Was hab ich davon? Was gibt’s zu erben? Bei manchen Taufen wurde schon früher daran erinnert: Wandelt als Kinder des Lichts! Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit! (Epheser 5,9). Das zu erleben und zu teilen, kann jetzt schon als ein „Vorschuss“ des himmlischen Erbes gesehen werden. Ich möchte etwas von „der Seelen Seligkeit“ auch in dieser Zeit erleben.

Halten wir die neuen Ideen, wie gut Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sich umsetzen lassen, wie sie Kreise ziehen, Gemeinschaft schaffen trotz Abstandsregeln und Hoffnung beleben - halten wir das alles im Gedächtnis fest!

Wenn nun einige Lockerungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben möglich werden, besinnen wir uns weiterhin auf die Erfahrungen, die wir neu gewonnen haben. Was gibt es davon weiterzugeben und zu „vererben“?

Ostern feiern wir das neue Leben, das Gott schenkt. Gestalten wir es miteinander auch in Zukunft zur „Seelen Seligkeit“!

Mögen Sie vieles erleben, was in der nächsten Zeit Ihrer Seele gut tut!

Das wünscht Ihnen Pfarrerin Christine Dinter

von der Evangelischen Kirchengemeinde Ense

Ein Lied habe ich vom Kirchentag im Ohr. Es kann helfen, unsern Blick zum Himmel zu wenden. Der Refrain erinnert an Psalm 19:

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Erde verändert ihr altes Gesicht. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Erde lebt auf und wird licht.

  1. Ein Tag erzählt´s dem andern. Selbst Nacht für Nacht wird klug.

Kaum hörbar die Stimme, die weltweit wandert. Aber Schweigen sagt oft schon genug.

  1. Ein Zelt baut sich die Sonne, aus Wolken eine Bahn. Kaum fassbar die Freude, belebende Worte und die Klarheit greift Finsternis an.

  2. Ein Wort, von Gott gegeben, tut Herz und Seele gut. Kaum denkbar die Güte, von der wir leben, gegen alle Angst macht sie uns Mut.

  3. Ein Herz, in Gott geborgen, befolgt auch sein Gebot. Kaum sichtbar die Hoffnung in schweren Sorgen, und doch hilft sie uns mindern die Not.

  4. Mein Lied wird Gott gefallen, verschweigt es nicht die Schuld. Kaum spürbar, doch meint er es gut mit uns allen, ja, er sucht uns in großer Geduld.

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Erde verändert ihr altes Gesicht.

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Erde lebt auf und wird licht.

Halleluja.

Ein Gebet:

Gott des Himmels und der Erde,

ich höre draußen die Vögel zwitschern, der Himmel ist hell, an den Sträuchern blüht es gelb und weiß und rosa.

Was ich da sehe, ist so wunderbar.

Und was ich nicht sehe, ist so schrecklich: ein Virus, ein winziges Ding nur, dass nun alle Welt in Atem hält, dass unser Leben so verändert, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte.

Wie passt das zusammen? Das, was ich draußen sehe und das, was ich in mir spüre?

Sei bei mir. Sei mir nahe. Stärke mich. Erwecke deine Kraft, dass ich den Kopf nicht hängen lasse, sondern beherzt bin. Ja, beherzt will ich sein, in meinem Denken, meinen Plänen und meinem Tun.

Auch für die, die mein Mit- Beten und Für- Sorgen brauchen.

Dir vertraue ich.

Amen.

Eine Kerze anzünden

Ich zünde eine Kerze an. Das Licht der Kerze erinnert mich daran, dass Jesus gesagt hat:

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Gott, leuchte du in unsere Dunkelheit.

Schenke uns Hoffnung. Lass mich mutig sein.

Begleite alle, die andern Hoffnung schenken.

Schenke ihnen ein Licht.

Begleite alle, die krank sind.

Schenke ihnen ein Licht.

Begleite alle, die Angst haben.

Schenke ihnen ein Licht.

Begleite alle, die sich im Gebet an dich wenden.

Schenke uns Dein Licht.

Amen.

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott wende dir sein Angesicht freundlich zu und gebe dir Frieden.

Amen.

Hinweis: Die Paulus-Kirche ist geöffnet am Sonntag von 10-11.30 Uhr für Stille und Gebet

unter Beachtung der Schutz- und Gesundheitsempfehlungen, die aushängen, und natürlich sind die Ausgangsregeln des Landes NRW  bindend und zu beachten.

Ostermorgen, 7 Uhr in Ense

Lieder für Osternacht und Ostermorgen

Vom Aufgang der Sonne 

bis zu ihrem Niedergang

sei gelobet der Name des Herrn,

sei gelobet der Name des Herrn!  

Beim dreimaligen Singen dieses Kanons wird die brennende Osterkerze meistens von einem Kind in Ense in die Kirche getragen.

Nach der Lesung des Osterevangeliums wird das Lied  (Evangelisches Gesangbuch Nr. 99 ) angestimmt – noch ohne Orgelbegleitung:

Christ ist erstanden von der Marter alle;

des solln wir alle froh sein, 

Christ will unser Trost sein. Kyrieleis. 

Wär er nicht erstanden, 

so wär die Welt vergangen;

seit dass er erstanden ist, 

so lobn wir den Vater Jesu Christ! Kyrieleis.

Halleluja, Halleluja, Halleluja!

Des solln wir alle froh sein,

Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Im Schulgottesdienst in Lüttringen singen wir mit den evangelischen Kindern immer zum Beginn:

Die Kerze brennt, ein kleines Licht. 

Wir staunen und hören: „Fürchte dich nicht!“

Erzählen und singen, wie alles begann, 

in Gottes Namen fangen wir an.

 

Zum Schluss vieler Ostergottesdienste gehört das Lied Nr. 100:

Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit;

denn unser Heil hat Gott bereit´.

Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,

gelobet sei Christus, Marien Sohn.

 

Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, 

dem sei Lob, Ehr zu aller Frist.

Halleluja, Halleluja …

Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt 

und uns erlöst vom ew´gen Tod.

Halleluja, Halleluja…

Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis,

der uns erkauft das Paradeis.

Halleluja, Halleluja…

Des freu sich alle Christenheit und lobe die Dreifaltigkeit

von nun an bis in Ewigkeit.

Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, 

gelobet sei Christus, Marien Sohn.

Von Paul Gerhardt stammt das Lied Nr 112:

Auf, auf, mein Herz mit Freuden nimm wahr, was heut geschicht;

Wie kommt nach großem Leiden nun ein so großes Licht!

Mein Heiland war gelegt da, wo man uns hinträgt, 

wenn von uns unser Geist gen Himmel ist gereist.

Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei;

Eh er´s vermeint und denket, ist Christus wieder frei 

und ruft Viktoria, schwingt fröhlich hier und da 

sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält.

Das ist mir anzuschauen ein rechtes Freudenspiel;

Nun soll mir nicht mehr grauen vor allem, was mir will

entnehmen meinen Mut zusamt dem edlen Gut, 

so mir durch Jesus Christ aus Lieb geworden ist. 

Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn, 

sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn.

Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht, 

das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick.

Ich hang und bleib auch hangen an Christus als ein Glied;

wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit. 

Er reißet durch den Tod, durch Welt , durch Sünd, durch Not, 

er reißet durch die Höll, ich bin stets sein Gesell.

 

Er dringt zum Saal der Ehren, ich folg ihm immer nach

und darf mich gar nicht kehren an einzig Ungemach.

Es tobe, was da kann, Mein Haupt nimmt sich mein an, 

mein Heiland ist mein Schild, der alles Toben stillt.

Er bringt mich an die Pforten, die n den Himmel führt,

daran mit güldnen Worten der Reim gelesen wird:

„Wer dort wird mit verhöhnt, wird hier auch mit gekrönt;

Wer dort mit sterben geht, wird hier auch mit erhöht.“

Paul Gerhardt 1647

Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen.

Alle Nächte werden hell, fangen an zu glühen.

Knospen blühen, Nächte glühen.

Alle Menschen auf der Welt fangen an zu teilen. 

Alle Wunden in der Welt fangen an zu heilen. 

Menschen teilen, Wunden heilen, 

Knospen blühen, Nächte glühen.

Alle Augen springen auf, fangen an zu sehen. 

Alle Lahmen stehen auf, fangen an zu gehen.

Augen sehen, Lahme gehen, 

Menschen teilen, Wunden heilen, 

Knospen blühen, Nächte glühen. 

Alle Stummen hier und da fangen an zu grüßen. 

Alle Mauern tot und hart  werden weich und fließen.

Stumme grüßen, Mauern fließen, 

Augen sehen, Lahme gehen, 

Menschen teilen, Wunden heilen, 

Knospen blühen, Nächte glühen. 

Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen.

Text: Wilhelm Willms

 

Frohe, gesegnete Ostern

wünscht Ihre Evangelische Kirchengemeinde Ense

Gedanken zu Karfreitag und Ostern 2020

 

Lied:

Meine engen Grenzen,

meine kurze Sicht

bringe ich vor dich.

Wandle sie in Weite:

Herr, erbarme dich.

 

Meine ganze Ohnmacht,

was mich beugt und lähmt,

bringe ich vor dich.

Wandle sie in Stärke:

Herr, erbarme dich.

 

Mein verlornes Zutraun,

meine Ängstlichkeit

bringe ich vor dich.

Wandle sie in Wärme:

Herr, erbarme dich.

 

Meine tiefe Sehnsucht

nach Geborgenheit

bringe ich vor dich.

Wandle sie in Heimat:

Herr, erbarme dich.

 

Am Karfreitag gedenken wir des Todes Jesu am Kreuz. Auf ungezählten Bildern aus allen Jahrhunderten ist das Geschehen dargestellt. In jeder Kirche, an vielen Orten und Wegrändern sind Kreuze zu finden. Jedes Jahr am Karfreitag fragen sich Christinnen und Christen: was bedeutet das Kreuz Jesu mir?

Die Antwort darauf wird persönlich ausfallen. Die eigenen Erfahrungen mit Leid und Schmerz, mit Tod, Verlust und Trauer gehören dazu.

Die alten Lieder im Gesangbuch empfinden mit ihren Worten das Leiden Jesu nach. Was so schwer zu sagen ist, bringen die Lieder mit ihren Worten und Melodien über unsere Lippen. „O Haupt voll Blut und Wunden“ so beschreibt Paul Gerhardt, was Jesus erlitten hat.

 

Viele Menschen erleben solche Schmerzen und solches Leid auch heute.

Manchmal erfahren wir im persönlichen Umfeld von erschreckender Not. Oft gehen uns Bilder aus den Nachrichten nicht aus dem Kopf.

Wir fühlen uns dann hilflos und erleben die Grenzen, an die wir mit unserer Kraft und unserm Zutrauen kommen.

Da nimmt das neue Lied unsere Fragen und Bitten auf:

Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich.

Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.

 

In diesen Wochen machen wir ganz überraschend neu als Gesellschaft die Erfahrung von Grenzen und Einschränkung. In unserem alltäglichen Verhalten mussten wir neue Umgangsformen einüben: Abstand statt Nähe, Zwangspause statt Hektik und Arbeitsdruck, Kontakt nur noch zu den allernächsten Familienangehörigen, kein direkter Zutritt und keine ungeschützte Nähe mehr zu alten und kranken Menschen.

Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich.

Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich.

 

Das haben wir erlebt, davon hören und lesen wir täglich. Menschen entwickeln eigene hilfreiche Ideen, wie sie in der Einschränkung doch ein gemeinsames Leben erhalten können: Kontakt über Briefe, Telefon und die sozialen Netzwerke, die sich nun auch als sozial hilfreich erweisen.

Es wird gelächelt, gesungen, geklatscht, um die freundlichen und dankbaren Gefühle für andere auszudrücken. Da entfaltet sich neue Stärke, die viele vorher nicht bei sich oder anderen erwartet hätten.

 

Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich.

Beim Anblick des leidenden Jesus am Kreuz kann uns wie den Jüngern angst und bange werden. Das ist nicht zum Aushalten, schon damals nicht. Was soll nun werden? Alle Hoffnung ist mit Jesus am Kreuz gestorben. Das Kreuz ist ein brutaler, kalter Endpunkt.

 

Das Bild, das in diesem Jahr unsere Gedanken zum Karfreitag begleiten kann, das vielen Menschen in unserer Gemeinde mit der Post als Gruß zugeschickt wurde, zeigt drei Kreuze an einem Abgrund. Drei Kreuze erinnern an die Kreuzigung Jesu. Aber - ich kenne den Ort nicht, an dem das Bild aufgenommen wurde. Für mich beherrschen nicht die Kreuze das Bild, sondern das Licht.

Drei Kreuze und ein Himmel aus Licht – mit diesem Titel sind Karfreitag und Ostern in einem Bild verbunden.

Ein helles warmes Licht lässt den unbekannten Abgrund nicht mehr bedrohlich wirken. Der ansteigende Berg sieht nicht nach einem Spaziergang aus, aber das Licht aus dem Himmel malt Sonnenflecken in die Landschaft. Der Ostermorgen geht hinter den Kreuzen auf.

So erzählt das Bild von neuer Hoffnung nach der Nacht des Todes.

 

Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.

Wenn überhaupt ein Kreuz ein Anzeichen von Geborgenheit zeigen kann, dann mit diesem Himmel aus Licht. Das ist ein Gruß von ewiger Heimat, wie Jesus sie uns mit seinem Weg durch Leid und Tod hindurch in die Auferstehung eröffnet hat.

Ostern verheißt uns durch den Weg des Menschensohnes und Gottessohnes neues Leben. Was uns in diesem Leben quält und lähmt, ist Gott nicht fremd. Er hat es in seinem Sohn selbst durchgemacht. Und er hat es in ihm überwunden. Das nennen Christen den Sieg des Lebens über den Tod.

Als die ersten Christinnen und Christen diese Veränderung begreifen konnten, fingen sie an, Menschen gerade zu Ostern zu taufen. Der Glaube, der zu Ostern das neue Leben feiert, sollte mit der Taufe für jede und jeden neu zum Glauben Kommenden das eigene neue Leben eröffnen und stärken.

 

Geborgenheit und Heimat und neues Leben gelten für uns auch wenn wir in dieser Zeit Einschränkungen erleben oder sogar Abschied nehmen müssen. Gottes Nähe bleibt uns durch Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Es genügt, zu rufen: Herr, erbarme dich. Gott wird uns hören.

 

Mit einem alten Osterlied erklingt die Botschaft: Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Ein neues Osterlied jubelt so: Die Sonne geht auf: Christ ist erstanden! Die Nacht ist vorbei: Christ ist erstanden! Die Sonne geht auf.

Vergessen sind Ängste, Not, Kummer und Schmerzen,

wir atmen freier und singen von Herzen: Die Sonne geht auf:

Christ ist erstanden! Die Nacht ist vorbei.

Die Freude ist groß: Christ ist erstanden!

Wir halten sie fest: Christ ist erstanden! Die Freude ist groß.

O Herr, hilf, dass wir auch in unseren Tagen

den Menschen die Botschaft der Hoffnung sagen.

Die Freude ist groß: Christ ist erstanden! Halleluja!

 

Frohe, gesegnete Ostern Ihnen und Euch allen!

 

Gebet:

Auferstandener Herr Jesus Christus,

komm Du selbst in unser Leben

und zeige Dich uns als Lebendiger.

Lass Hoffnung und Gewissheit in uns wachsen,

dass Dein Leben stärker ist als der Tod.

Lass diese Gewissheit uns trösten,

wenn der Tod in unser Leben einbricht,

und uns beflügeln zu mutigen Taten für das Leben.

Amen.

 

Wenn Sie eine kleine Osterkerze haben oder ein andres Licht in diesen Ostertagen anzünden können, dann begleite Sie und Dich dieser Segen:

 

Christus, dein Licht blendet nicht.

Es will uns die Augen öffnen.

 

Dein Licht stellt nicht bloß.

Es will uns helfen, einander besser

zu verstehen.

 

Dein Licht stellt sich

nicht selbst zur Schau.

Es will uns den Weg zeigen.

 

Dein Licht will sich nicht selbst genügen.

Es will sich ausbreiten.

 

So sei und bleibe du unser Licht, heute und allezeit. Amen.

Was sind das für Zeiten?

Zwiespältige Zeiten.

Der Frühling bricht aus allen Knospen und das gesellschaftliche Leben wird eingefroren zum Schutz für unsere Gesundheit.

In der ersten Woche der Corona-Pandemie in unserer Region gab es eine Fülle von Nachrichten. Mails informierten, was alles abzusagen und zu unterlassen sei. Nachrichten-Sondersendungen machten auf die Gefahren der Ansteckung und auf Konsequenzen aufmerksam.

Viele Eindrücke stürzten auf uns ein und lähmten uns. Einige hetzten zum Einkaufen, in der Furcht etwas könnte knapp werden. Für andere brach eine große Leere an, denn ihre Arbeit war unterbrochen und viele stehen mit ihrer Existenz plötzlich wie vor einem Abgrund. Jugendliche und Erwachsene, die vor Prüfungen stehen und ihr weiteres Leben auf deren Ergebnisse aufbauen wollen, verlieren mit dem Wegbrechen der gewohnten Strukturen und Erwartungen die Planungssicherheit und stehen wie vor einer Nebelwand.

Die Karwoche hat begonnen.

Der Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag – zwiespältige Zeit oder zwiespältige Gefühle, dicht gedrängt in kurzer Zeit.

Am Palmsonntag rufen Menschen in den Straßen von Jerusalem: „Hosianna! Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn!“ Sie begrüßen Jesus als den Messias, den Retter. „Herr, hilf doch“ - so heißt ihr Ruf „Hosianna“ übersetzt. Wenige Tage später wird der Ruf „Kreuzige ihn!“ erschallen.

Am Gründonnerstag feiert Jesus mit seinen Begleitern das jüdische Sedermahl, das zum Passahfest gehört. Er deutet Brot und Wein mit dem, was ihn selbst erwarten wird: sein Leib wird gebrochen und sein Blut wird vergossen am Kreuz von Golgatha.

Dazwischen liegen nur wenige Stunden. Zwiespältige Erfahrungen in gedrängter Zeit.

Die Karwoche ist vom christlichen Glauben her eine stille Woche, die in jedem Jahr zum Nachdenken einlädt. In diesem Jahr erleben viele Menschen Einsamkeit, Angst, Fragen und Unsicherheit, was die Zukunft betrifft. Vom Karfreitag bis Ostern schweigen die Kirchenglocken. Jesus ist tot. Mit ihm ist die Hoffnung der Menschen auf Veränderung, ja Rettung gestorben.

Im Dunkel der Osternacht trauen sich einige Frauen ans Grab. Sie wollen tun, was man einem Toten aus Respekt erweist. Sie werden die ersten Zeuginnen einer Veränderung, die sich niemand so vorgestellt hat. Sie kehren zu den eingeschlossenen Jüngern zurück mit der Botschaft: „Der Herr ist auferstanden. Geht nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen.“

Zwiespältige Erfahrungen zwischen Nacht und Morgen. Aus dem Dunkel des Todes ins Leben kommen. Aus der Lähmung und den Sorgen herausgehen und neu das Leben erkennen und ergreifen. Aus der Angst um die Existenz erleben, dass andere ebenfalls mit Fragen und Sorgen unterwegs sind, neue Möglichkeiten teilen und hilfreiche Worte und Taten erfahren.

Davon erzählen die Evangelien in dieser stillen Karwoche und zu Ostern. In der Bibel, im Neuen Testament sind sie bei Markus, Matthäus, Lukas und Johannes zu finden, nacherzählt in den je eigenen Erfahrungen der Menschen, die vor fast 2000 Jahren dem Menschensohn und Gottessohn begegnet sind und seinen Spuren nachgegangen sind.

Zwiespältige Erfahrungen in gedrängter Zeit.

Halten wir inne am Karfreitag. Es ist der Tag, um in Stille den Schmerz, das Leid, die Trauer zum Kreuz Jesu zu tragen mit Gebeten, Psalmen, Klage-Liedern und Schweigen. Die vielen Bilder und Worte der zurückliegenden Tage können wir zum Kreuz bringen. Wir vertrauen darauf, dass Jesus diese Last mit-trägt.

In der Grabesruhe vom Karsamstag klingt der Karfreitag nach.

In diesem Jahr können wir nicht die Osternacht wie gewohnt feiern. Nach 6 Uhr wird in den Kirchen das neue Osterlicht 2020 angezündet. Wer eine Kerze zu Hause anzündet, kann sich am Teilen dieses Lichtes und der Auferstehungshoffnung freuen. Es wird einen Ostergottesdienst um 9.30 Uhr zum Anschauen und Mitfeiern im ZDF geben. Wir können die Herzen und die Fenster öffnen, um die Osterbotschaft aufzunehmen und weiterklingen zu lassen.

Nach dem Gottesdienst geht der Klang weiter- hören Sie mal, was in der Nachbarschaft ertönt und , wenn Sie wollen, singen Sie mit!

Christen in aller Welt werden der Botschaft begegnen: Das Dunkel des Todes ist überwunden durch die Auferstehung im Licht des Ostermorgens. Der Herr ist auferstanden! Halleluja!

Ostern 2020 wird ein Wendepunkt hin zum neuen Leben.

Frohe, gesegnete Ostern!

wünscht Ihnen und Euch

Christine Dinter

EINTRAG AM 7. APRIL

Sechster Sonntag in der Passionszeit – Palmsonntag

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben,

das ewige Leben haben. (Johannes 3,14b-15)

 

Nach Erster Korinther dreizehn

 

Die Liebe ist lächerlich

Sie reitet auf einem Esel

über ausgebreitete Kleider

Man soll sie hochleben lassen

mit Dornen krönen

und kurzen Prozess mit ihr machen

Sie sucht um Asyl nach

In den Mündungen unserer Gewehre

Eine Klagesache von Weltruf

Immer noch schwebt das Verfahren

Sie stellt sich nicht ungebärdig

sondern quer zur Routine der Machthaber

Die Behauptung, sie ließe sich nicht erbittern

hat sie im Selbstversuch eindrücklich bestätigt

Sie ballt nicht die Faust, sie steigt nicht herab

Sie hilft sich nicht selbst, sie dient als Kugelfang

Sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit

Sie ergreift Partei für die Ausgebeuteten

Daher ist es lebensgefährlich, sich mit ihr einzulassen

Sie könnte nämlich Bewußtsein bilden

Und den Lauf der Dinge durchkreuzen ...

Eva Zeller (in: Sage und schreibe. Gedichte. 1971)

EINTRAG AM 2. APRIL

Ich habe

das Blühen gesehen

niemand

kann es aufhalten

niemand

kann es erzwingen

es ist

Geschenk

UTE SUNKE

(Text aus: Bunt wie ein Vogel, Lebensfrohe Gedanken für jeden Tag des Jahres, hrsg. von Rainer Haak, ISBN 978-3-86917-686-4 verlag am eschbach)

 

Liebe Gemeinde!

Wie geht es Ihnen? Wie geht es Euch? Beim Weg zum Einkaufen begegnen mir bekannte und fremde Menschen. Jede und jeder hat mindestens ein Lächeln beim Begegnen, meist sogar einen freundlichen Gruß oder sogar mehr Worte, die nachfragen, wie es einem geht und die einen mit guten Wünschen weiterziehen lassen. „Anstand und Abstand“ – so geht es gut mit einander. Ich wünsche mir schon jetzt, dass wir dieses freundliche Interesse auch nach der Krise mit einander und für einander bewahren können.

Während die einen viel für uns alle leisten mit dem Heranschaffen von Gütern, dem gerechten Einteilen und Verkaufen, mit aller Pflege an Kranken und Versorgung von Alleinstehenden, gibt es auch Menschen, denen langsam „die Decke auf den Kopf fällt“. Jugendliche vermissen ihre Mitschüler im direkten Kontakt, andere sehnen sich nach einem Treffen mit Freunden und Familie. Haben Sie Tipps, wie man sich selbst heiter beschäftigen und auch an andere denken kann? In unserer Gemeinde bereiten gerade einige hilfsbereite Einsatzfähige kleine Ostergrüße vor. Einen Gruß schreiben kann eigentlich jede und jeder. Manche basteln oder handarbeiten. Andere helfen aus mit Papier oder Klebstoff. Wer noch Anregungen sucht, kann mich gern anrufen, Tel 2557.

Die neutestamentliche Losung für den 3. April 2020 heißt:

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5,8-9)

Gerechtigkeit und Wahrheit sind in dieser Zeit ebenso Mangelware wie Schutzkleidung. Die Sorge darüber weltweit findet Eingang im täglichen Gebet um 19.30 Uhr, wenn an vielen Orten die Glocken läuten und Menschen ihre Anliegen vor Gott bringen. Wenn Sie aktiv werden wollen für Gerechtigkeit und Wahrheit, freuen wir uns über Ihre Mithilfe auch in der Kirchengemeinde, auch in ökumenischen Arbeitsfeldern. Wer sich in dieser Zeit der Kontakt-einschränkung allein fühlt, muss es nicht bleiben. In der Zukunft „nach Corona“ können sich gute Erfahrungen aus dieser Zeit vervielfältigen.

Ich freue mich auf weitere Kontakte mit Ihnen und Euch und wünsche weiterhin viel Gesundheit, Geduld und Frühlingsfreude!

Ihre/ Eure Christine Dinter

Christine Dinter, Pfarrerin, Ense 30. März 2020

Aus den Herrnhuter Losungen, Ausgabe „… für junge Leute“

Losung für den 30. März 2020:

Wenn jemand hinfällt, steht er dann nicht schnell wieder auf?

Wenn jemand vom Weg abkommt, kehrt er nicht gleich wieder um? Jeremia 8,4

(Übersetzung: Gute Nachricht)

Lehrtext:

Jesus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Johannes 6,37

Liebe Gemeinde!

Haben Sie sich schon an diese veränderten Lebensumstände gewöhnt? Ich habe viel Zeit, an die verschiedenen Menschen in ihren jeweiligen Lebenslagen zu denken. Gestern habe ich einige Konfirmandenfamilien angerufen, um zu hören, wie es ihnen geht. Auch mit einigen älteren Menschen aus unserer Gemeinde hatte ich telefonisch oder mit dem nötigen Abstand direkt Kontakt. Aber von manchen, die jetzt allein zu Hause sind und nicht hinaus dürfen, habe ich nicht einmal eine Telefonnummer. Da sind wir alle aufgerufen, einen freundlichen und aufmerksamen Blick in die Nachbarschaft zu werfen und die Bedürfnisse nach Kontakt aufzugreifen, wenigstens über den nötigen gesundheitlichen Abstand hinweg mit freundlichen Worten oder einer Einkaufstüte.

Beim Einkaufen erlebe ich viele freundliche Blicke und kurze Gespräche, aufmunternde Minen und nette Grüße von Menschen, die ich gar nicht persönlich kenne. Wir merken wohl alle, wie wichtig uns ein freundlicher Kontakt und ein gutes Wort sind.

Wer nun gar nicht „unter Leute“ kommt, hat vielleicht schon alte Briefe oder ein Fotoalbum hervorgekramt und erinnert sich an alte Kontakte. Mit dem Adressbuch und Telefon in der Hand, kann man sicher leicht an alte Beziehungen anknüpfen und Menschen überraschend durch einen Anruf eine Freude machen.

Ich denke auch an die Menschen, die jetzt ganz wenig Zeit haben, weil sie so sehr im Einsatz für andere sind in der Pflege, im Versorgen mit Lebensmitteln, in den Büros und Behörden und Betrieben, die noch arbeiten, damit möglichst viel „normales Leben“ für uns alle erhalten bleibt.

Es taucht auch schon die Frage auf: Was machen wir hinterher? Wie werden wir aus dieser Corona-Erfahrung hinausgehen? Egoistischer oder solidarischer? Mit Werten, die wir neu als wertvoll für unser Leben und Zusammenleben entdeckt oder wiedergefunden haben?

Ich merke, dass ich den gewohnten, alltäglichen Gedankenaustausch mit anderen vermisse.

Ich wünschte mir und Ihnen und Euch, dass wir uns einen „Wunschzettel“ schreiben.

Der Wunschzettel könnte alle Ideen aufnehmen, auf die wir uns freuen, wenn wir uns wieder ohne Einschränkungen begegnen können. Was möchten wir uns mitteilen, was möchten wir zusammen unternehmen, was möchten wir gemeinsam für andere tun?

Für die Kirchengemeinde könnte so ein Wunschzettel auch spannend werden: Nach einer Zeit ohne Gottesdienste – wie sollten wir in Zukunft zusammenkommen? Wie könnte unser gemeinsames Feiern im Gottesdienst, unser „Dasein vor Gott und mit einander“ aussehen? Welche Lieder und Gebete helfen Ihnen und Euch in dieser Zeit, die wir uns dann auch weitersagen?

An jedem Abend suche ich um 19.30 Uhr nach mindestens einem Lied, das ich singe und mit den Gebeten und Gedanken an Menschen in nah und fern verbinde. Manchmal bleibe ich nach den 5 Minuten Glockenläuten noch länger in der Kirche und singe und bete weiter.

Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns auf unsern Wegen.

Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen. Lied 171.1 im Ev. Gesangbuch

Im Losungsbuch (s.o.) steht für heute dieses Gebet:

Nimm meine Hand, Herr, und hilf mir, wieder aufzustehen.

Sag mir dein gutes Wort, und ich kann wieder Hoffnung fassen.

Zeig mir einen Ausweg, und es fällt mir ein Stein vom Herzen.

Mit dir kann ich meinen Weg weitergehen.

Ich wünsche Ihnen und Euch viel Kraft und Geduld für die nächsten Tage!

Herzliche Grüße Christine Dinter

Christine Dinter, Pfarrerin Ense, 26. März 2020

Liebe Gemeinde!

Wie geht es Ihnen und Euch? Haben Sie, habt Ihr schon davon gehört?

Jeden Abend um 19.30 Uhr die gemeinsame Verabredung zum Glockenläuten und Beten.

Ökumenisch. Auch in der Paulus-Kirche in Ense- Bremen.

Und bei Ihnen und Euch zu Hause, wenn Sie wollen und wenn Ihr wollt.

So bleiben wir verbunden oder kommen neu in Kontakt mit Gott und miteinander.

Wer möchte, dass ich eigene, persönliche Anliegen mit in die Fürbitte aufnehme, kann mir gern diese Anliegen als mail schicken: evangkgensedontospamme@gowaway.web.de oder am Telefon sagen:

Tel 2557.

Ich zünde zum Beten die Kerze in der Paulus-Kirche an, die wir am Beginn des Unterrichts immer mit Katechumenen und Konfirmandinnen und Konfirmanden teilen. Wie sonst mit den Jugendlichen lese ich nun allein die Losung, schlage ein Lied im Gesangbuch (eg, Ausgabe für Bayern und Thüringen) auf, das ich singe oder bete oder finde unter den Psalmen und den übrigen Gebeten im Gesangbuch etwas Passendes.

Gestern war es das Lied 209 „Ich möcht´, dass einer mit mir geht, der´s Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Ich möcht, dass einer mit mir geht.“

Die Strophen 2-4 schienen mir besonders gut zu passen:

Ich wart´, dass einer mit mir geht, der auch im Schweren zu mir steht,

der in den dunklen Stunden mir verbunden. Ich wart´, dass einer mit mir geht.

Es heißt, dass einer mit mir geht, der´s Leben kennt, der mich versteht,

der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Es heißt, dass einer mit mir geht.

Sie nennen ihn den Herren Christ, der durch den Tod gegangen ist;

er will durch Leid und Freuden mich geleiten. Ich möcht, dass er auch mit mir geht.

Engel des Lichts, 22. März 2020

Wenn der Engel

des Lichts

seine Flügel

in dir ausbreitet,

entfacht er

deinen letzten Funken

an Hoffnung -

die wächst

zu einer Flamme heran,

an der sich die Zuversicht

neu entzündet,

so dass du für das Leben

wieder brennen kannst.

von Christa Spilling-Nöker

Meine Gedanken in dieser Zeit: 19. März 2020

Bleib gesund.

Diese Worte, früher gelegentlich daher gesagt, gewinnen in diesen Tagen eine tiefe Bedeutung. Auch die Wünsche: „ alles Gute!“ und „ lass es Dir gut gehen“ und die Worte: „ gehab Dich wohl“, die mir mein Vater immer mit auf den Weg gab, erscheinen jetzt viel ehrlicher, wirklich gemeint und umso wahrer.

Bleib gesund.

Unser inniger Wunsch für die Familie, unseren Partner, Freunde, Bekannte und Nachbarn, kurz jedem gegenüber, der uns begegnet. Gäbe es jeder in seinem Umkreis weiter, so verbreitet sich ein guter wesentlich wichtiger stärkender Wunsch für die anderen, dem sich andere gute Wünsche wie beim Dominoeffekt anschließen dürfen. „ Halt den Kopf oben“ oder „gib auf Dich acht!“

Bleib gesund.

Und sei bewahrt vor dem Unbekannten, einer Erkrankung von der wir nicht wissen, ob und wie sie uns trifft. Und wenn sie jemanden trifft? Gerade dann sind aufbauende, unterstützende, begleitende und verständnisvolle Worte hilfreich.

Bleib gesund.

Selbst wenn im Moment nichts so bleibt wie es ist, leere Supermarktregale ansteckend wirken und angstvoll Einkäufe getätigt werden, als ob nicht genug für alle da sei. Menschen werden in unsicherer Zeit unruhig, unvorsichtig oder gar leichtsinnig und uneinsichtig. Gesundheit meint: „ immer in der Mitte und maßvoll zu sein“. Achtsam bleiben: was ist der nächste Schritt? Wo und wem kann ich Unterstützung geben, wie kann ich ruhiger werden. Was tut mir, was tut anderen gut?

Bleib gesund.

Als inniger Wunsch auf welchem Wege auch immer ausgesprochen, auf Abstand unter freiem Himmel, in einer Mail, Whatsapp oder bei facebook, in den Nachrichten oder am Telefon. Gute Worte, Gebete und Zuspruch können in diesen Tagen wie Medizin sein. Ein wohlmeinendes Miteinander stärkt und gibt Kraft zu widerstehen und trägt durch die Zeit.

Mit allen guten Wünschen, dass Sie, Ihr behütet bleibt,

Verena Löhr-Luckert